Nr. 1

Ich rieche Frau –

ein Flüstern in meiner Seele.

Raus hier – Stopp.

Hier bleiben – Stopp.

Wink des Schicksals,

schick mich irgendwo hin.

November 2012

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Nr. 2

Nebelschweiß treibt aus mir heraus.

Undurchsichtig.

Nebelschweiß treibt aus mir heraus.

Hoppla, jetzt sehe ich mich.

Hoppla, jetzt sehe ich dich.

Nebelschweiß treibt aus mir heraus.

November 2012



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Rechnung

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Kaffeeautomat, Zigarettenautomat, Fahrscheinautomat.

Dicke Waden, üppiger Arsch, ausdrucksstark.

Schräge Blicke, Kummerblicke, aussichtslos.

Hole Luft, bleib stehn, kein Plan.

Versoffene Nacht, Gedankenbrei,

Klebriger Mund macht nur zu.

Ein Lachen entfaltet sich:

zu arg, zu weit, zu breit.

Januar 2014

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Schlussfertig

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Suchend den Horizont, drücke ich das Gesicht

gegen den gleißenden Himmel.

Will sehen, hören, spüren:

wie die Luft dort oben atmet.

Schon wird’s mir enge – und falle.

Zurück in Mutters Erde Schoß.

Nieder zum Staub,

körpertrockene Trauer fühlt mit der Natur.

Januar 2014

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Übermütig

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Alltagswohnzimmerspätabendgemütlichkeit

hat’s auf mich abgesehen, mir gedacht,

bleibe Schwindligkeitsmüdeverstört

Placebohoffnungen suchen mich heim.

Februar 2014

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Nachricht

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Bäume warten im Fenster auf Wind.

Sonnenstrahlen kurz vor der Umkehr.

Radiodurchsage: es stauen sich Tiefdruckgebiete.

Ein mobiles Endgerät. Leblos.

Nachricht!

Wörter fluten das Display, schlagen ätzende Wellen.

Augenschlitze entziffern Gedankenfragmente,

rasen ohne Sicherheitsabstand in Nervenbahnen hinein.

Februar 2014

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Hübsch alles

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Abgelegte Kleider, große Pupillen.

Körpermanipulation an wundersamen Stellen:

Bedürftige Lust zeugt stetes Verlangen.

Vertrauliche Nähe wartet auf Begierde.

Zitternde Glieder kitten den Alltag.

Stumme Münder kleben aufeinander.

Dezember 2014

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post urbanum


Der Morgen drängt letzte Nachtschatten in die Ecken

Sonne und Asphalt werden bald eins.

Motorisierte Wesen schieben und stoßen

Häuserzeilen bleiben im Fahrtwind zurück.

Ferne Orte noch ohne Ziel.

Der Himmel faltet sich weiß:

Briefzeilen fallen herunter.

Im Straßenraum hektische Turbulenzen,

Sekundenblicke wollen sich begegnen,

weichen den Augen aus.

Menschen warten auf ihre Zeit,

Gedanken bleiben im Dunkeln.

Der Himmel faltet sich weiß:

Briefzeilen türmen sich auf.

Januar 2013

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ICE

Vibrierende Eisenräder.

Brüllende Geschwindigkeit.

Dunkelheit die fortwährend entgegenkommt

und sich im leuchtendem Fensterrauschen verliert.

Ein Frauenprofil im Spiegelbild lächelt still in sich hinein.

Die andere Hälfte: betrübt und in sich gekehrt.

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Ostern

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Ein Atheist denkt: Schön, dass es Ostern gibt.

Ein Soldat denkt: Schön, dass es den Frieden gibt.

Ein Eremit denkt: Schön, dass es die Liebe gibt.

Mein Herz denkt: Schön, dass es Dich gibt.

April 2020

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Umeinander Aneinander Auseinander

Langsam, fast bedächtig
zirkulierten ihre Begegnungen,
zufällig von Ort und Zeit arrangiert.
 
Umstände, die sich aufdrängten
gewichteten Ort und Zeit,
beschwerten Erinnerungen,
dass sie bleiben. Wurden Sätze länger
füllten dichter die Zeit,
und größer wurde das Aneinander erinnern.
 
Ihre Gedanken rankten sich umeinander
aneinander,
erst ein Rinnsal, drunter schon ein Flussbett,
noch kalt gewässert,
noch ohne Gewissheit ohne Ziel
von nichts aufzuhalten.
 
Kleine Wellen trugen das Floß, sehnsüchtig gezimmert,
lose Hölzer knirschen aneinander.
Dort eine Barkasse, frisch getauft,
weist den Weg,
im Kielwasser verstört
das unsichere gezimmerte Gefährt,
unbedingt den Anschluss haltend,
zerren Untiefen fast zum Untergang verdammt.
 
Mit nichts verbunden,
zum auseinander treiben bestimmt,
wurden die ungleichen Gefährten
in den Ozean gespült wo sie sich verloren.

April 2020

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MENSCH 0.0

Schick du Instinkt
mich gehorsam
verlässlich
ins Elysium.

Denk dann ich
brauch mich nich.
Meines ich überdrüssig.
Oder doch lieber Drogen
so dass ich
betrogen und verlogen.

Hey Instinkt!
Meldung erwünscht.

Mai 2020

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Propofol [Seditiva]

Schneeflocken klirren durch den Wind
Menschen, innerlich erhitzt,
rügen sich unaufhörlich
verlernen das Zuhören
Seelenzersetzung

Sie verlieren Zeit
vernichten Zeit
Fehlergefühle

Immerhin/wenigstens:
Haut auf Haut
nur ein Atem
nur eine Bewegung
dann sind alle s-o-o-o still

Mai 2020

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Virtuelle Familie

Das gleiche Haus die Wohnung alles gleich überhaupt.
Ich weile, zoome
Gesichter heran, belangt und lose.
Es sind die Stellvertreter und die Platzhalterrinnen.
Trainiert um mich zu trainieren.
Mach ich willig mit.
Obwohl blind nach draußen
haben sie mich im Visier.
Tag für Tag.
Jahrzehnte.
Stetig fort-während mittendrin.
Sie gestikulieren bis alles passt und steht.
Dort der zuckende Hulk.
Synchron die Feuchte perlt und prickelt.
In der dreckigen Ecke
sammeln sich die Menschenreste.
Wenn es reicht
hisse ich die weiße Flagge
kappe die Leitung.
Wieder das gleiche Haus die Wohnung alles gleich überhaupt.
Meine Erinnerungen sehnen sich zu vergessen.
Es ist ein Abnutzungskampf.

Mai 2020

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Vollkommen entschleunigt

Ich hause im Nichts.
Vor mir nur Glas, hinter mir ebenso.
Der Überblick wäre da – interessiert mich aber nicht.
Wen es interessiert: vorne raus die Straße, die Häuser
hinter mir eine Zelle, wo sich menschliches Leben bemüht.
Wo ich gerade bin, ist mir ziemlich egal.
Ich könnte nirgendwo sein – und ich kenne keine Zeit.
Sie macht für mich keinen Sinn, weil ich mich nicht bewege,
keinen Millimeter, meistens.
Deshalb bin ich die Ruhe selbst, ich würde sogar behaupten
ich verkörpere die Ruhe derart, dass ich behaupten kann:
die physikalisch kleinste Einheit der Ruhe,
(wenn es sie denn gäbe): das bin ich!
Wenn aber einmal nach viel Zeit, die für mich keine ist,
eine kleine Unruhe den Raum um mich herum
zum vibrieren bringt, so lass ich mich explodieren.
Die Ursache der Unruhe ist meistens ein verfangenes Etwas:
es muss sofort überwältigt und getötet werden.
Es soll nicht nur wieder eine allgegenwärtige Ruhe einkehren
sondern die Ruhe soll auch in das Leben des Etwas eindringen.
Diese kurze enervierende Unruhe ist dann
die einzige Abwechslung im mit Ruhe durchtränktem Leben.
Wohlgenährt gebe ich mich wieder den ewig währenden Träumen hin.

Mai 2020

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