| Nach der Wende, Mitte der Neunziger Jahre, wurde schon einmal versucht für die Luisenstadt, im Rahmen eines Wettbewerbs, eine städtebauliche Lösung zu finden.
Das damalige Planungsgebiet erstreckte sich vom Moritzplatz bis zur Köpenicker Straße, mit der Heinrich-Heine-Straße als Hauptachse. Im Westen reichte das Planungsgebiet bis zur Alten-Jakob-Straße und im Osten bis zum Michael-Kirch-Platz. Das heutige Planungsgebiet wurde nun westlich bis zur Lindenstraße/Holzmarkt und nördlich bis zur Spree/Schillingbrücke erweitert. Das Planungsgebiet, gekennzeichnet durch unterschiedlichste Bautypen aus der Vor- und Nachkriegszeit, ist zu einem heterogenem Gebilde geworden - mit zum Teil großen Brachflächen (Mauerstreifen, Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße) - das eigentlich einer städtebaulichen Grundordnung harrt. Deshalb wurde nun von der Politik ein städtischer Rahmenplan in Auftrag gegeben, der es nun richten soll und von dem Büro Herwarth + Holz entwickelt und als die "Wiederentdeckung von Stadt" groß angekündigt wurde.
Der Plan des Büros Herwarth + Holz lohnt einen Vergleich mit dem damaligen Siegerentwurf. Über zweihundert Stadtplaner und Architekten hatten damals Entwürfe zum Wettbewerb eingereicht, aus dem ein Siegerentwurf hervorging, der anscheinend mit seiner städtebaulichen rigorosen Aussage die Wettbewerbsjury beeindruckt hatte und sich erst gar nicht Flickschusterei aufhielt. Dem damaligen Siegerentwurf ist nicht nur ein eindeutiger Gestaltungwille abzulesen sondern er offeriert auch eine Idee von Wohnen und Leben in einer Großstadt und attraktiven Stadtplätzen. Zwar fällt dieser Idee einige Bausubstanz zum Opfer aber bei genauerem Hinschauen offenbart der Siegerentwurf auch versöhnliche Noten, denn hinter der stringenten Matrix, die sich wie ein Netz über das Gebiet legt sind wohlbekannte Archetypen Berliner Bebauung zu erkennen: Vorderhaus, Seitenflügel und Gartenhaus; prädestiniert um Hausgemeinschaften entstehen zu lassen.
Anscheinend haben sich die politischen Rahmenbedingungen mittlerweile so gedreht, dass dieses Wettbewerbsergebnis den Verantwortlichen aus der Senats- und Bezirksverwaltung nicht mehr umsetzbar erschien. Denn der damalige Siegerentwurf riecht nach viel Staub der aufgewirbelt werden könnte. Das Haus- und Hofplanungbüro des Bezirks Kreuzbergs Herwarth + Holz durfte alleine die politischen Vorgaben umsetzen, die sich aus dem vorliegenden Ergebnis rekonstruieren lassen: Behutsamkeit als einzige städtebauplanerische Absicht und Vermeidung jedweden Ansatzes einer kreativen Planung. Nicht einmal ein kleinster gemeinsamer Nenner wird sichtbar.
Architekt Herwarths Plan: Blockrandschließungen allenthalben, das Blockinnere bleibt sich selbst überlassen, bestenfalls grüne Abstandflächen zwischen ellenlangen Riegeln; also doch nichts anderes als eine verkappte 50er- und 60er-Riegelbauweise - nur eben der Straßenachse nach orientiert.
Mehr Bürgerbeteiligung hätte dem Büro gut getan; die Beteiligung der Öffentlichkeit wurde geradezu systematisch vernachlässigt. Dieses nicht entschuldbare Manko wurde auch in einer Vielzahl von Wortmeldung in der Bürgerversammlung angeprangert. Wenn schon kein Wettbewerb unter Fachplanern gewünscht war, so hätte wenigstens ein Wettbewerb der besten Bürgerideen der Luisenstadt gut zu Gesicht gestanden. |